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Chile Abenteuer auf dem Rücken
der Pferde pur
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Schließlich wird es Zeit,
uns und den Pferden eine Pause zu können und
Energie für den restlichen Tag zu tanken. Der
Guide packt aus den Satteltaschen unser reichhaltiges
Mittagessen aus. Früchte, Gemüse, mit Ziegenkäse
belegte Brote und frisch gepresster Orangensaft, alles
was das Herz nach einem so ereignisreichen Vormittag
begehrt. Die Satteltaschen werden von den Frauen im
Dorf handgewebt und die bunten Farben sind ausschließlich
aus natürlichen Extrakten gewonnen.
„Vamos!“, höre ich nach unserer Erholungspause
in der Sonne, “es gibt noch viel zu sehen!“ Das lass
ich mir nicht zweimal sagen und sitze schon wieder
mit neuem Tatendrang auf meinem Pferd.
Zu Besuch
bei Viktor
Weiter
reiten wir durch die Stille der Anden, vorbei an farbenfrohen
Canyons und endlosen Kaktusfeldern. In der Ferne sehen
wir eine kleine Hütte, mitten im Nirgendwo, einsam
und verlassen auf weiter Flur. Was bringt einen Menschen
dazu, in einem so abseits gelegenen Stück Erde
zu wohnen, ohne Nachbarn und ohne jeglichen Luxus
? Ich sollte nicht lange auf die Antwort warten, denn
als wir uns der Hütte nähern, begrüsst
uns der freundliche Hüttenbewohner: „ Hallo,
wie geht´s? Lust auf einen Kaffee?“ werden wir
von ihm begrüßt. Viktor, wie sich sein
Name im Laufe des Gesprächs herausstellt, ist
ganz anders, als ich mir einen Menschen vorstellen
würde, der seit Ewigkeiten in der Einsamkeit
wohnt. Fröhlich und aufgeschlossen erzählt
er uns von seinem Leben als Ziegenhirte hier oben
in den Anden. Seinen Lebensunterhalt verdient sich
Viktor durch seine Ziegen und den Käse, den sie
produzieren. Ich bin ja schon froh, wenn ich eine
Ziege von einem Schaf unterscheiden kann, aber Viktor
kennt doch tatsächlich jede einzelne seiner ca
50 Ziegen beim Namen. Den Käse produziert er
in seiner Hütte, deren Sauberkeit und Hygiene
mir trotz der rauen Umgebung sofort aufgefallen ist.
Einmal pro Woche belädt Viktor seinen Esel mit
dem produzierten Käse und reitet runter ins Tal,
wo ihm der Käse abgekauft wird. Ob ihm denn nicht
das gemeinschaftliche Leben fehlt, etwas Luxus, wie
zum Beispiel eine Toilette mit Spülung oder eine
Tageszeitung zum Frühstück? Erstaunt schaut
er mich an bevor er antwortet: nachdem er kurze Zeit
in Santiago gelebt hat, kann er mit Sicherheit sagen,
dass er für nichts um alles in der Welt diese
Ruhe und sein Leben in Harmonie mit der Natur aufgeben
würde. „ In der Stadt, bei den Verrückten,
weißt Du nie, ob Du den nächsten Tag überlebst,
ob Du Deinen Job noch hast oder ob Du die Rechnungen
bezahlen kannst. Hier lebe ich in Ruhe und Ausgeglichenheit
und mache mir nur Sorgen darüber, wo ich für
meine Ziegen Wasser finde!“ Auch wenn ich dieses Leben
nicht leben könnte, spart man sich mit Sicherheit
eine Menge Sorgen, denke ich, als ich an meine Handy
Rechnung denke.
Nach dem interessanten Zusammentreffen,
in dem wir jede Menge über die ursprüngliche
Kultur des Landes erfahren haben, machen wir uns wieder
auf den Weg. Mittlerweile bin ich sehr dankbar für
den Sonnenhut, den man mir vor Abritt verpasst hat.
Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, der nicht von
einer einzigen Sonne bedeckt wird. Auch wenn ich das
ganz besonders genossen habe – ich komme aus Hamburg,
wo wir schon dankbar sind, wenn es mal 3 Stunden lang
nicht regnet – wurde mir langsam doch recht warm und
ich sehnte mich nach einer erfrischenden Dusche. Ich
erinnere mich, dass uns gesagt wurde, Badesachen mitzunehmen
und kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, eröffnet
sich hinter dem nächsten Canyon in einer kleinen
Schlucht die nächste Überraschung: eine
regelrechte Lagune mit einem kleinen Wasserfall. Zuerst
lasse ich nur meine Füsse in den Genuss des kühlen
Nass kommen. Die Wassertemperatur war herrlich, genau
die Abkühlung, nach der ich mich gesehnt hatte.
Schließlich kann ich dem Wasserfall nicht widerstehen
und schon befindet sich die ganze Gruppe planschend
im erfrischenden Wasserbecken.
Ich war wirklich erstaunt, was die Natur alles zu
bieten hat, ohne dass man Eintritt zahlen muss.
Mit frisch getankter Energie bestiegen wir wieder
die Pferde und machten uns langsam auf den Heimweg
durch die majestätischen Canyons. Kohle, Erz
und Gold, die sich als Mineralien unter der Erde befinden,
hinterlassen ihre Spuren und lassen die Landschaft
in allen erdenklichen Farben erleuchten.
Auf dem Heimweg kommen wir
an mehreren Bergdörfern vorbei. Die sehr einfachen
Häuser aus dem hier typischen Baumaterial Adobe
zeugen von dem ursprünglichen und wohl auch sehr
harten Leben, das die Einheimischen führen. Zwar
hat die Zivilisation auch hier Einzug erhalten, wie
man zum Beispiel an den Krankenstationen und den sehr
modern gebauten Schulen sieht, doch Luxus scheint
noch ein Fremdwort zu sein.
Aber die Zufriedenheit und Fröhlichkeit springt
den Bewohnern regelrecht aus dem Gesicht. Überall
werden wir freundlich begrüßt, und unser
europäisches Aussehen erweckt jede Menge Interesse,
vor allem bei den Kinder, von denen einige stehen
bleiben und sich skeptisch meine blonden Haare ansehen.
Immer noch tief beeindruckt von den neu gewonnenen
Eindrücken kommen wir nach einem gemütlichen
Ritt wieder auf der Hacienda an und werden herzlich
von Manuela empfangen. Was für ein unvergesslicher
Tag!
Mit einem Glas chilenischen Rotwein in der Hand geniessen
wir beim gemeinsamen Abendessen den klaren Sternenhimmel
über uns und lassen den Tag noch einmal Revue
passieren. Von Clark und Manuela erfahre ich noch
jede Menge interessante Geschichten über die
Traditionen und Legenden der Umgebung, bevor ich merke,
dass ich kaum noch meine Augen aufhalten kann und
in dem gemütlichen Bett in einen tiefen Schlaf
falle. Und raten Sie mal, wovon ich geträumt
habe...!
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